Die Hauberge im oberen Dietzhölztal und im angrenzenden oberen Dilltal gehören zu den letzten Niederwäldern in Deutschland. Als Niederwald werden Waldflächen bezeichnet, die regelmäßig nach rund 25 Jahren abgeholzt werden, um daraus Brennholz zu machen. Weil es sich dabei um Laubwälder, meist aus Birken, Eichen und Buchen, handelt, wachsen diese anschließend durch den sogenannten Stockausschlag wieder nach. Es muss also nicht neu gepflanzt werden.
In Zeiten des Klimawandels zeigen sich die Niederwälder als besonders widerstandsfähig gegenüber längeren Trockenphasen und heißen Sommern. Zugleich bilden sie eine einzigartige Flora und Fauna. So weisen die Hauberge etwa die größte Artenvielfalt an Schmetterlingen in Hessen auf.
Die Georg-August-Universität Göttingen, in der ein Großteil der angehenden Förster in Deutschland studieren, und die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt haben deshalb die Nieder- und Mittelwälder zum Gegenstand eines dreijährigen Forschungsprojekts gemacht.
Ein gut dreistündiger Workshop, in dem es um die Akteure und Interessen rund um die Hauberge ging, bildete dieser Tage den Auftakt dazu im Ewersbacher Rathaus. An ihm nahmen neben den beiden Haubergsgenossenschaften Straß- und Bergebersbach auch Vertreter der Gemeinde, von HessenForst, der Jägerschaft und des Lahn-Dill-Berglands teil.
Dabei wurde schnell deutlich, dass es nach wie vor viele Nutznießer wie Spaziergänger oder Wanderer der heimischen Hauberge gibt, die Zahl der sie bewirtschaftenden Genossen aber rückläufig ist. Wer sein Haus oder seine Wohnung nicht mit Holz beheizt, benötigt kein Brennholz aus dem Hauberg.
Peter Thorn, stellvertretender Leiter des Forstamts Herborn, berichtete, dass es leider nicht gelungen sei, die Hauberge beim Land Hessen in den Katalog der forstlichen Förderungen aufzunehmen, obwohl die Haubergswirtschaft zu den nachhaltigsten Formen der Waldbewirtschaftung zähle.
Mario Schmitt, in der Dietzhölztaler Gemeindeverwaltung für den Forst zuständig, riet dazu, sich mit den anderen Genossenschaften zu vernetzen, um die Interessen der Hauberge besser vertreten zu können.
Und Jochen Decher von den Jägern des Dillkreises bat darum, bei den zuständigen Jagdpächtern darauf hinzuwirken, dass in den ersten Jahren nach dem Haubergseinschlag, in diesen Bereichen verstärkt das Wild bejagt werde, um einen zu starken Wildverbiss zu verhindern.
Der hatte in den vergangenen Jahrzehnten etwa in der Abteilung Bescheshecke des Straßebersbacher Haubergs dazu geführt, dass aus einem Eichen-Birken-Mischwald eine fast reine Birken-Monokultur geworden ist. Davon konnten sich auch Pia Jensen und Maria Hollmann von der Uni Göttingen sowie Ronja Ungelenk und Andreas Mölder von der Forstlichen Versuchsanstalt bei einem Rundgang durch die Hauberge überzeugen.
Unterstützt von Revierleiter Lucas Scherbanowitz haben die Straßebersbacher Genossen dieser Tage den Versuch gestartet, aus der Monokultur wieder einen Haubergs-Mischwald zu machen. Dazu haben sie jeweils 50 Roteichen und Esskastanien in die Lücken des abgeholzten Birkenbestands gepflanzt und die Jungpflanzen mit einem Einzelschutz versehen. Die dazu benötigten Drahtgeflechte haben sie beim Abbau mehrerer alter Wildschutzgatter gewonnen. Beide Baumarten gelten als besonders resistent gegen den Klimawandel und zeichnen sich durch einen sehr guten Stockausschlag aus. Ihre Eicheln und Kastanien sollen in einigen Jahren für eine weitere Ausbreitung und damit stärkere Mischung im Niederwald sorgen.
Im kommenden Jahr wollen die Göttinger Forscher in verschiedenen Abteilungen des Haubergs untersuchen, wie sich Flora und Fauna entwickeln, wenn auf den kahlen, abgeernteten Flächen nach und nach wieder ein Niederwald heranwächst.
31. März: Frist für den Haubergseinschlag
30. April: Frist für die Räumung des Haubergsholzes von der Fläche
31. Mai: Frist für die Abfuhr aus dem Hauberg
1. bis 30. September: Anmeldung für den Haubergseinschlag in der Abteilung Bescheshecke.
30. Oktober: Hauptversammlung im Evangelischen Gemeindehaus
1. November: Teilung des Haubergs in der Abteilung Bescheshecke
In diesem und dem vergangenen Jahr haben wir mit dem Aufforsten der abgestorbenen Fichtenwälder begonnen. Nicht weniger als elf verschiedene Baumarten sollen in den nächsten Jahrzehnten einen neuen, ganz anderen Wald bilden.
Besonders in den ersten Jahren benötigen die jungen Bäume unsere Aufmerksamkeit. Diese Aufgabe wollen wir auf interessierte Genossinnen und Genossen verteilen, die für einzelne Pflanzungen eine Patenschaft übernehmen.
Dabei geht es in vor allem darum, immer wieder mal nach den "Kleinen" zu schauen. Werden sie von Brombeeren, Holunder oder Birken bedrängt? Verlieren einige von ihnen vorzeitig Blätter oder Nadeln? Oder ist das Gatter, das die Bäumchen vor Wildverbiss schützen soll, beschädigt?
Diese Informationen sind wichtig, damit die Aufforstung möglichst gut gelingt. Werden solche Probleme frühzeitig erkannt, können Vorstand und Helfer schnell Abhilfe schaffen.
Wann die Paten, etwa bei einem Spaziergang, nach "ihren" Jungbäumen schauen, bleibt ihnen selbst überlassen. Wer Interesse an einer solchen Patenschaft hat, die man auch zu zweit oder als kleine Gruppe übernehmen kann, setzt sich einfach mit Frank Rademacher, Rüdiger Schaumann, Sieghard Hofmann, Manfred Kunz oder Peter Ortmann in Verbindung.